Esoterischer Angriff auf die Bildung

Kann sich der Mensch etwas nicht erklären, dann müssen aus seiner Sicht oftmals göttliche Kräfte am Werk sein. Dieses Verhalten kann schon seit Jahrtausenden unter den Menschen beobachtet werden. Da die großen monotheistischen Religionen immer nur diesen einen Gott vorschieben und dies für viele Menschen keinen Anreiz mehr bietet, wird nach alternativen Erklärungen im Reich der Geister, Fabelwesen und „Energien“ gesucht, obwohl nahezu immer eine wissenschaftliche Erklärung vorhanden ist.

Diese Verleugnung der Forschung weitet sich aus, denn nur so sind die Investitionen in Atomstromfilter [A], Mondzellen [B] und energetische Raumreiniger [C] erklärbar (wobei einige dieser „Innovationen“ schon von vornherein als Hoax entwickelt wurden). Dabei wird das Unverständnis von physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen durch „Zweifel an der Mainstream-Lehrmeinung“ begründet, der allerdings nicht in neuen Erkenntnissen über die Natur gipfelt, sondern in purer Esoterik.

Nun könnte man sagen: „Jeder darf glauben was er will und das ist auch gut so!“, allerdings werden immer mehr Pseudowissenschaften an Schulen und Hochschulen angeboten. So ist es möglich, Studiengänge über Nymphen, Wünschelruten, Wasseradern, Astralenergien und andere frei erfundene Dinge zu absolvieren [1],[2],[3],[4]. Dies ist in vielerlei Hinsicht ein Warnsignal dafür, dass die fachliche und methodische Bildung selbst unter den Abiturienten drastisch abnimmt. Die in den Pseudowissenschaften vermittelten Weltbilder werden dabei oftmals mit einer überemotionalen Alternativlosigkeit von ihren Verfechtern verteidigt. Ein Begründer eines solchen esoterischen Erklärungssystems war Rudolf Steiner, der die Anthroposophie begründet hat [5].

Aber auch immer mehr fundamentalistische Christen sind insbesondere an Schulen auf dem Vormarsch. So verweigern sogenannte Bibeltreue Christen, Evangelikale und Kreationisten stellenweise den Unterricht und haben schon in einigen Regionen erreicht, dass neben der Evolutionstheorie die Schöpfungsgeschichte gleichrangig im Fach Biologie unterrichtet wird [6]. Der Verlag „Wort und Wissen“ geht so weit, dass die Naturwissenschaften und die Bibel auf eine Stufe gestellt werden sollen. Es wird des Weiteren besonders unter christlichen Fundamentalisten für ein Lehramtstudium in den Fächern Biologie und Religion geworben, sodass im Biologieunterricht die Schöpfungsgeschichte glorifiziert und die Evolutionstheorie über den Missing Link ins Lächerliche gezogen werden kann [7],[8].

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